chummu
Die Grosseltern hatten Reben. Der Vater zeigt mir jeden Schnitt. Jetzt mache ich Wein.
Der Ort
Chummu, unter St. German
Chummu heisst das kleine Gebiet unterhalb von St. German, unten im Rhonetal. Hier stehen unsere Reben – und die der meisten Bürchner. Ein Flurname, kein Markenname.
Zwischen den Reben liegt das Chummuderfji, das Chummudorf: eine Handvoll kleiner Häuschen, die man hier Stubjini nennt. Darin haben früher meine Grosseltern und schon deren Eltern übernachtet, damit sie nicht jeden Abend zu Fuss nach Bürchen hinaufsteigen mussten. Im Stubji wurden Werkzeug und Material versorgt. Man schlief nah bei den Reben und stand mit dem ersten Licht wieder zwischen den Mauern.
Getragen werden die Reben von Trockenmauern, die Generationen vor uns gebaut haben: Stein auf Stein, ohne Mörtel. Sie haben mehr Winter gesehen als ich. Im Sommer halten sie die Hitze bis tief in den Abend, und der Föhn fährt durchs Laub.
Früher stiegen die Bürchner über den Wandfluh-Kapellenweg hinunter ins Tal, um in Chummu zu arbeiten. Heute nehmen die Trauben den umgekehrten Weg: hinauf nach Bürchen in den Keller.
Die Geschichte
Chummu ist der Ort, an dem wir unser Weingut haben – und die Geschichte von drei Generationen Händen: Meine Grosseltern hatten hier Reben, mein Vater zeigt mir bis heute jeden Handgriff, und jetzt halte ich die Schere.
Drei Generationen,ein Ort
-
Die Grosseltern
Die ersten Hände in dieser Geschichte gehören meinen Grosseltern. Auf beiden Seiten der Familie hatten sie Reben in Chummu, wie die meisten in Bürchen.
Ich stelle mir ihre Morgen vor: noch dunkel, der Weg über die Wandfluh, vorbei an den Kapellen, hinunter ins Tal. Den ganzen Tag am Hang, am Abend ins Stubji statt hinauf nach Bürchen. Dazwischen Reben, bei denen alles von Hand geht: jeder Schnitt, jeder Trieb, jede Traube.
Im Spätsommer sind ihre Hände braun von der Sonne und rau vom Stein. Die Mauer im Rücken gibt die Hitze des Tages zurück. Es riecht nach warmem Stein, nach trockenem Gras und reifen Beeren. Niemand hat Eile. Die Trauben auch nicht.
Was von ihnen bleibt, ist der Hang und eine Regel, die bis zu mir gekommen ist. Wenn ich heute eine Hand auf die warmen Steine lege, liegt sie vielleicht dort, wo ihre lag.
Symbolbild -
Der Vater
«Där obre, där innre.»
Zwischen den Händen meiner Grosseltern und meinen liegen die meines Vaters. Sie bringen mir das Handwerk bis heute bei: nicht am Tisch, sondern am Stock, Jahr für Jahr, Handgriff für Handgriff.
Im Winter zeigt Chummu seine Knochen: kein Laub, nur Mauern und altes, gedrehtes Holz. Der Atem dampft, die Finger werden steif, durch die Stille klickt die Rebschere. Seine Hände sind ruhig, meine suchen noch. Viel erklärt er nicht. Er sagt die Regel, die schon meine Grosseltern gesagt haben: «Där obre, där innre.» Dann zeigt sein Finger auf die Stelle. Seine Stöcke sehen nach dem Winter aufgeräumt aus. Meine sehen aus, als hätte jemand sehr lange nachgedacht.
Geduld ist das Erste, was man am Hang lernt, und das Letzte, was man kann. Ein hastiger Schnitt zeigt sich erst im nächsten Jahr. Darum ist die Lehre nicht vorbei, nur weil ich jetzt meinen eigenen Wein mache. Mein Vater steht immer noch neben mir. Die Reben verzeihen mir meine Fehler, er auch. Meistens.
Symbolbild -
Und jetzt ich
«Ich weiss noch nicht viel. Aber ich weiss, auf welchem Hang ich stehe.»
Die dritten Hände sind meine. 2026 haben sie zum ersten Mal für einen eigenen Jahrgang gelesen. Zuerst den Muscat, im Spätsommer: klebrige Finger, Wespen, die ihn vor uns gefunden hatten, ein Duft, der schwer über den Reihen lag. Dann den Chasselas Silvaner. Alles von Hand geschnitten, Traube für Traube.
Im Keller in Bürchen wird daraus Wein: ein Muscat und ein Chasselas Silvaner im Fendant-Stil. Der Most gärt langsam und kühl, der Keller riecht nach Hefe, und ich schaue jeden Tag nach ihm.
Ich bin Anfänger, und das darf man sehen: klein, von Hand, mit viel Neugier. Meine Hände machen noch Fehler, und Vaters Hände sind noch da, um sie aufzufangen. Im Zeichen von Chummu stehen vier Terrassen übereinander: die unterste für meine Grosseltern, die zweite für meinen Vater, die dritte für mich. Die oberste ist noch frei.
Symbolbild
Der erste Jahrgang: 2026
-
1 Ort
-
2 Weine
-
3 Generationen
Am Hang
Was mir der Vater zeigt
Das Handwerk lerne ich am Hang, neben meinem Vater, mit den Händen. Ein Jahr, vier Jahreszeiten, vier Arbeiten. Die Mauern sind geduldiger als ich.
-
Der Schnitt
Im Winter lerne ich den Schnitt. Raureif auf den Mauern, der Atem steht in der Luft. An jedem Stock entscheide ich, welches Holz bleibt: «Där obre, där innre», sagt mein Vater. Was ich jetzt stehen lasse, trägt im Herbst.
-
Das Ausbrechen
Im Frühling treiben die Augen aus, grün und zart. Mit den Fingern breche ich aus, was zu viel ist: Doppeltriebe, Triebe am alten Holz. So bleibt die Kraft für die Trauben. Am Abend riechen die Hände grün.
-
Das Laub
Im Sommer steht die Hitze zwischen den Mauern. Ich binde die Triebe hoch, kappe, was zu lang wird, und nehme um die Trauben ein paar Blätter weg. Genug Luft gegen Fäulnis, genug Schatten gegen die Sonne.
-
Die Lese
Im Herbst koste ich, bevor ich schneide. Sind die Beeren süss und die Kerne braun, ist es Zeit. Dann Traube um Traube, die Schere in der einen Hand, die Traube in der anderen, bis die Finger kleben.
Die Weine
Zwei Weine
-
-
Muscat 2026
Die erste Lese des Jahrgangs, im Spätsommer.
-
Chasselas Silvaner 2026
Im Herbst gepresst, ausgebaut im Keller in Bürchen.
Nicht im Handel. Wer probieren will, meldet sich.
Kontakt
Vorbeikommen, probieren, fragen
Drei Terrassen sind vergeben: Grosseltern, Vater, ich. Die oberste ist noch frei. Schreib mir, wenn du probieren willst oder Fragen hast.